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Sozialpsychologie , Univ.-Prof. Dr. Gerold Mikula

Womit begründen Frauen soziale Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern

von Wolfgang Enge

Wolfgang Enge
Wittekweg 10 / 3 / 12
8010 Graz
Austria
Tel: +43 316 382951
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wolfgang.enge
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Worauf führen Frauen es zurück, daß Frauen wesentlich seltener Führungspositionen besetzen als Männer? Daß sie bei gleicher Qualifikation weniger Einkommen beziehen? Daß sie bei gleicher beruflicher Anforderung wesentlich mehr Haushaltsarbeit verrichten als Männer? Worauf auch immer – diese sozialen Fakten entsprechen sozialen Vergleichen zwischen Frauen und Männern, und das Ergebnis des Vergleichs ist für Frauen ungünstig. Ungünstige Vergleichsergebnisse bedrohen – so das Postulat der Theorie der sozialen Identität – eine positive Gruppenidentität, die von den Gruppenangehörigen wiederherzustellen versucht wird. Welche Strategie zur Aufrechterhaltung positiver Gruppenidentität eingesetzt wird, hängt laut Theorie davon ab, wie legitim und stabil die Beziehungen zwischen der statusniedrigeren Eigengruppe und der statushöheren Fremdgruppe gesehen werden. Die mittels Fragebögen durchgeführte Untersuchung an über 400 18-jährigen Schülerinnen bestätigt teilweise diese Thesen: Nehmen die Probandinnen die sozialen Fakten als legitim und stabil wahr, so bevorzugen sie Begründungen, mittels derer die Vergleichssituation kognitiv so umgestaltet wird, daß als Ergebnis eine für die Eigengruppe positive Gruppenidentität entsteht – beispielsweise wird eine andere Vergleichsdimension betont, auf der Frauen günstiger abschneiden als Männer (soziale Kreativität). Sehen die Probandinnen die Fakten als illegitim an, so begründen sie die Ungleichheiten bevorzugt mit gesellschaftlichen Diskriminierungen von Frauen. Dahinter steht die Überzeugungshaltung, positive Gruppenidentität sei bloß erreichbar, wenn die statusniedrigere Eigengruppe mit der statushöheren Fremdgruppe in direkten Wettbewerb auf derselben Vergleichsdimension trete und letztlich die Statusunterschiede verschwinden (sozialer Wettbewerb). Nachgewiesen wird auch ein Zusammenhang zu Geschlechtsrollenorientierungen.