Wer die Geschichte der Jesuitenmissionen
erforschen will, sollte sich nicht nur an die Berichte der Missionare
halten, sondern auch die Indianer befragen, die in ihren Mythen
viele Erinnerungen an jene Zeit bewahren. Leider sind die von
Jürgen Riester gesammelten Mythen der Chiquitano noch nicht
ausgewertet und veröffentlicht. Stattdessen sollen die Ayoréode
zu Wort kommen, von denen vermutlich Schmid in seinem Brief berichtet.
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Wie andere Völker in der Dornensteppe des Gran Chaco
waren die Ayoréode halbnomadische Jäger und Sammler,
die nur ergänzend etwas Ackerbau betrieben. Zusammen mit
den Chamococo bilden sie die linguistische Familie der Zamucos.
Die Ayoréode lebten in kleinen Gruppen mit selten mehr
als 25 Familien, Der Kontakt zu anderen Gruppen beschränkte
sich früher ausschliesslich auf kriegerische Auseinandersetzungen.
Innerhalb der Gruppe gab es viele Formen des Austausches, manche
nach festen Regeln, andere auf freiwilliger Basis; sie garantierten
die ständige Zirkulation der Güter und verhinderten,
dass manche mehr als andere besassen.
«Ayoréode» ist die männliche Pluralform der
Eigenbezeichnung und bedeutet «wirkliche Menschen». Sie
nennen andere indianische Völker, die ähnlich leben,
«Ayoreqédejane», zu deutsch «andere Menschen», und
die Sesshaften, egal ob Indianer, Mestizen oder Weisse, «Cojñone»,
«gedankenlos und feige».
Zur Zeit der spanischen Eroberung lebten die Ayoréode
südlich und östlich der Salzseen an der heutigen bolivianisch-paraguayischen
Grenze. Die Jesuiten suchten immer wieder Kontakt zu ihnen, da
sie einen Verkehrsweg durch den Chaco nach Asunción eröffnen
wollten. Im Jahr 1711 trafen Jesuiten auf eine der Hauptgruppen,
die Morotoco. 1723 wurde die Mission San Ignacio de Zamucos gegründet,
die aber schon 1745 nach internen Auseinandersetzungen unter den
Ayoréode und Rebellionen gegen die Jesuiten aufgegeben
wurde. Nach den Überlieferungen der Ayoréode lag sie
bei Palmar de las Islas oder bei Fortín Ingavi (das heisst
etwa 200-250 km südlich von San José, im heutigen
Paraguay. Anm. d. Hrsg.)
Zum heutigen Ayoréode-Volk gehören Nachfahren von
Ayoréode, die nie in Reduktionen lebten, und von anderen,
die sie verliessen und in den Wald zurückkehrten. Alcides
d'Orbigny traf im Jahr 1831 noch 1250 Ayoréode in Santiago.
San Juan und Santo Corazón und schätzte die Zahl der
unabhängig lebenden auf etwa 1000. Der Kontakt der Ayoréode
mit den Jesuiten war nur kurz, dennoch erinnern sich die Ayoréode
in zahlreichen Mythen an das Zusammenleben mit ihnen.
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Seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts
zogen die Ayoréode nach Norden und bevölkerten unbewohnte
Gebiete, in denen früher zahlreiche andere Indianervölker
gelebt hatten. Diese Entwicklung beschleunigte sich mit dem Chaco-Krieg
und später mit der Suche nach Erdöl im nördlichen
Paraguay. Der Lebensraum wurde immer mehr eingeengt, es kam zu Konflikten
zwischen den Nord- und den Südgruppen. die 1948 zu ersten dauerhaften
Kontakten mit der Nationalgesellschaft führten. 1949 gründete
die US-amerikanische New Tribes Mission in Tobité die erste
Missionsstation.
Heute gibt es etwa 2300 Ayoréode
auf bolivianischem und 1200 auf paraguayischem Staatsgebiet. Eine
einzige Gruppe lebt noch unabhängig in der Wildnis und lehnt
jeden Kontakt mit anderen ab. Sie nennen sich die Totobié-Gosode,
die «Menschen aus der Region. wo es viele Wildschweine gibt».
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