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Hochwehrtigster Freund, ich schäze
es für ein grosse Ehr, das ich einmal das glükh habe ihnen
eine Gefälligkeit zu erweisen.
Die Indianer, welche hier beschriben werden,
kan man füglich nennen Wald-Menschen, weilen solche in lauter
grossen Wäldern, und leben nicht anders als die wilde Thier.
Solche benennet auch der hl. Gregorius Animalia Dei, Thier Gottes.
Die weis und manier diese verwildete menschen zahm zu machen, in
sittliche und Christliche leut zu verändern, ist eine geistliche
Jägerey, weil mann sie suchten, Ihnen nachjagen, und vielerley
mitl, brauchen muß, bis sie sich ergeben.
Dieser Landschaft ist eine Tropenlandschaft.
Man leidet das ganze jahr grosse Hitz mit schier gar gleicher taglänge,
denn der kleine unterschid der Jahreszeiten ist fast nicht merklich.
Die hiz dieser landschaft wird erträglich durch die grosse
finsteren und dike wälder.
Durch diesen ganzen strich kan man nur in
gewisen Monathen reisen, wenn nämlich das regenwasser also
ist abgeloffen, aber dann noch etwas übrig geblieben ist zum
trinken für einen reisenden. Die übrige Monath von dem
May an bis wider auf den October regnet es keinen tropfen mehr,
sondern es ist der Himmel allzeit ohen einzige wolke, und obwohl
dieses der winter seyn soll, ist die hiz so groß als wie in
Deutschland in denen Hundstagen. In den Monaten August und September,
wenn die wälder nach monatelanger trockenheit ganz dürr,
bleiben diese wälder bereithet zu grossen feuers-brunsten auf
viele meil weegs, und deren Rauch wird nach und nach gleich einem
Nebl, so dikh, das er die Sonn bedeket.
Was die Erde nicht zur Nahrung hervorbringet,
das wird andererseiz ersezt durch unterschidliche thiere, welche
zur speiß dienen.
Solang diese Indianer noch in ihren wildnissen
sich aufhalten, ist unter ihnen gar keine bürgerliche
einrichtung oder ordnung anzutreffen. Sie
gehorschen ihren Caziquen, wenn sie krig führen und wider andere
benachbahrte Indianer von einer anderen sprach streiten. Im übrigens
ist ihr ganzes thun und lassen in den wäldern herumschweiffen
mit jagen und fischen die nahrung zu suchen. Wenn sie an einem orth
nichts mehr finden, gehen sie 40 oder 50 meilen weiter, Iassen sich
aldorth nider widerum für etliche monath und diese Lebensweis
dauern ihr ganzes leben.
Keine häuser haben sie nirgends, hiermit
auch kein hausgeräth. So kommen solche reisen ihnen desto leichter
an. Da heisst es nicht mit Sack und Pack zu wandern.
Die Hautfarb is bey allen in diesen SO hizigen
land ganz gleich. Alle sind oliven-braun mit kohlschwarzen langen
haaren, die sie meistens fliegen lassen, ausser den jungen Schiquiten
beyderley geschlechts, welche noch nicht verheirathet. Diese tragen
ganz geschorene köpf. Sie gehen ohne Kleidung, denn das land
ist gar nicht kalt. Doch haben sie ein zeichen ansich als unterschied
der Nationen und sprachen. Dafür brauchen einige für ihren
leib ein stüklein von einer wildhaut oder flechten etwas von
past zusammen, wie auch von wilder baumwoll. Ander färben sich
mit rother Erden, das haupt aber sehr dikh, so das es scheinet mit
einer bekelhauben bedekt zu seyn. Widerum andere machen sich nur
striche am leib von allerhand farben und Säften, welche sie
aus wurzeln und blätter herauspressen. Die weiber aber stechen
mit spitzen dornen ihr eigene haut, besonders im angesicht, und
geben sich gleichsam damit die figur, welche ihnen gefällt;
eines Sterns, einer blum, eines vogls, eines thiers. Und wenn die
dornstich noch frisch sind, zerreiben sie kohlen ZU pulver, und
drüken es wohl in den Riß ihrer gemachten figur hinein.
Dieses heilet nach und nach widerum zusammen und das gemähl
bleibt unauslöschlich mit schwarzen Tupfen.
Obwohl ihre gestalt für sich selbst
schon nichts sittliches anzeigt, haben sie noch allerhand gebräuch,
welches ihr barbarisches wesen deutlich an den tag bringt. Gleich
in der ersten kindheit bohren sie den knäblein ein kleines
Loch an die untere lefzen, ein fingerbreit vom mund, steken ein
holz hinein, wie ein diker nagel mit seinem Kopf, damit es innen
hällt und nicht herausfällt.
Die Kinder werdet auferzogen, das sie keine
wiegen, noch windel, noch fetschen haben. Sie wachsen dannoch ganz
grad und aufrecht, sind nicht krummfüssig, weder buklich, noch
einseitig. Man leget sie nur auf eine glatte haut oder in ein aufgehenktes
nez, wo sie sich ganz frey bewegen.
Dieses nez ist auch die ligestadt aller
dieser lndianer. Sie können solches auf ihren beständigen
reisen leicht mit sich führen, bleiben darinnen sicher von
allen griechenden giftigen thieren und ungenzifer, empfinden auch
das feuer desto besser, welches sie allzeit nahe bey sich auf der
Erde anzinden, besonders in der nacht.
Hier will ich nicht vergessen, etwas zu
vermelden von ihrem wunderlichen getränk, chicha genannt. Es
geben die weiber eine zimliche portion von sauberem meel in einen
grossen hafen, halb in die Erde eingegraben. Sie giessen siedendes
wasser darauf, lassen es bedekter etliche tage hindurch stehn, biß
es gähret oder fermentirt, welches bald geschieht. In kurzer
zeit wird dieses getränk handig und sauer. Sie schäzen
es als ihren besten Wein, der auch den hunger stillet, weil sie
Meel samt dem wasser hienein geschüttet. Dies ist also die
schiquitische chocolate, wie thee oder cafee. Alles wird mit diesem
trank geregelt, geschlichtet oder bezahlt, denn kein anderes geld
ist vorhanden.
Wenn einer dem anderen eine gefälligkeit
erweiset, ihm in einer arbeith hilfe leistet, auf dem feld oder
zu haus, so ist nach verrichtetem dienst dieser trank gleich die
bahre bezahlung. Keine andere münze, hab ich aldort gesehen.
Eine der ergözlichkeit ist der tanz,
welchen sie anstellen. Es versammeln sich auf dem großen plaz
mitten in der völkerschafft etliche gleine häuflein von
6.7. männern oder jungen burschen. Von diesen trups machet
ein jeder seinen kreiß, einer von ihnen bleibt in der mitte
mit dem musicalischen instrument. Mit diesen machet er seine leier
mit hineinblasen. Das ist für sie ergözlich, und vielleicht
darum, weil dabei nichts nachteiliges oder tadlhaftes mit einfliesst.
Die heiler werden für Tausendsasser
gehalten. Dem Kranken saugen sie die kranke stelle und sie saugen
kleine kohle, knöchelchen oder steine aus dem Ieib, als wenn
er solche im leib gehabt hätte und sie sprechen ihne nunmehr
frey von der krankheit.
Mit anderen worten, diese leute kennen und
brauchen allerhand gerät zum fischen und zum jagen, um das
leben dadurch zu erhalten, welches in der wildnis ihre einzige sorg
und ihr gröstes geschäfft ist. Hiemit sind sie mehr wilde
thiere als menschen. Bis man solche geschöpf ernstlich zu rechten
menschen, hernach ZU Christen macht, brauchet es viel mühe,
fleiß und grosse gedult nebst auserordentlicher gnad Gottes.
Denn ein sittliches ordentliches leben einzuführen,
ein bürgerliches, gemeischaftliches Dasein zu beginnen unter
leuten von so vielerley sprachen, von aufsetzigen gemütern,
die ohne haus, ohne gleidung, ohne beständigen wohnsiz, ohne
gehorsam, ohne zucht, ohne Handwerk, aufwachsen und zu leben gewohnet
sind. In so einem hauffen, von zwey, drey biß vier tausend
eine ganz neue, ungewohnte, ja ihrer natur widrige ordnung einzurichten,
ist viel mühe und geduld.
Das wichtigste aus allem, was ich bishero
beschrieben, ist ohne zweifel das Christentum. Denn dies ist das
ziehl und End solche arme, blinde leuth, die Indianer in so weit
entlegenen Iänderen und wildnissen aufzusuchen, damit man ihnen
die erkenntnis Gottes beybringen und den rechten weeg zu ihrem ewigen
heyl zeigen möge. Dies ist der zwek aller übrigen bemühungen
und anstrengungen.
Als dann macht sich der Missionarius mit
ihnen die Reise, nachdem zuvor alle die beichte verrichtet und die
hl. Communion empfangen haben. Denn diese reisen sind gefährlich,
dauern oft 3. oder 4. monathe. Der weg ist zumeist durch wälder,
zielt grade dahin, wo man mutmasst das leute anzutreffen seyen,
was zuvor erfragt oder durch Spionen erforschet wird. Man geht zu
fuß durch einen enge pfad, welcher nothwendig aufgehauen werden
muss bis zu dem aufenthalt der ungläubigen.
Sobald die ungläubigen sehn, das sie
keinen gelegenheit haben zu entflihen, oder das ihr anzahl zu gering
ist, sich den unsrigen mit gewallt sich zu widersetzen, so halten
sie still. Als dan probiren wir allerhand indianische sprachen,
bis wir merken, das einer von ihnen uns versteht. Mann erklärt
ihnen gleich das zihl und Ende unserer Reise, mit freundlicher einladung
mit uns in die völkerschaft zukommen um sie glückselig
zu machen, sie zu befreyen von ihren feinden, ihnen ein ruhigeres
leben zu verschaffen samt der ständigen nahrung, ohne das sie
sich bemühen müsten, selbe nahrung mit ihrem schweiß
und ständigem herumlauffen mit mühe und gefahren zu suchen.
Bißwilen ergeben sie sich und gehen
mit uns, oft aber aus liebe zu ihrer freyheit und gewohnten lebensarth
weigeren sie sich gänzlich.
Das schlimste ist bei diesen geistlichen
jagden, wenn sich unter den ungläubigen einer aufhält
der unserer Mission entflohen ist, denn diese schlimenleute halten
andere ab, damit sie nicht hingehen, wovon sie selbst geflohen sind.
Sie verdammen jede Einrichtung und Ordnung des christlichen Lebens,
loben nur die zaumlose freyheit in der wildnis.
Wenn wir auf unserer Reisen finden was wir
suchen, nämlich ungläubige Indianer, so ist alle mühe
gar wohl angewendet. freudig kehren wir mit ihnen zurük in
die völkerschaft. Auf dem weg müssen wir sie mit den nothwendigen
lebensmitteln versehen, sehr gütig und liebreich behandeln,
auch zugleich mit grosser wachsamkeit und obhut, damit sie nicht
wieder zuruückfliehen, oder unter der begleitschafft einen
aufruhr anfangen. Wenn sie nahe bei der völkerschaft ankomen,
schikt man ihnen hemden, sich zu bedeken. Alsdan geht die ganze
Mission, die Christen mit denen neuankomenden ungläubigen in
einem freudigen einzug der Kirche zu, in welcher das Te Dem laudamus
abgesungen wird zur dankbarkeit des guten ausgangs der Mission.
Nun muss man aus diesen geschöpfen
zum ersten menschen machen, sie in ein gemeinschaftliches, bürgerliches
leben und ordnung bringen, ihnen beständige wohnung verschaffen,
für leibesnahrung sorgen, damit sie das herumschweifen unterlassen.
Die häuser sind schlicht, nämlich
7 oder 8 ehlen hoch, alles von holz, nachher mit diker erde angeworfen.
Das tach ist mit starken grass bedekt.
Die nahrung zu besorgen brauchet es gar
viel, denn eine feldarbeit zu verrichten sind sie nicht gewohnt,
weil sie ihr leben mit jagen,fischen und herumbschweifen zugebracht
haben, deshalb sind auch von natur aus faul zu aller arbeit. Damit
sie zusammen bleiben und genügend zu essen haben ist der Mais
eingeführt. Der allein bringet allda frucht, kein anderes europäische
getreide wegen der allzu starken sonnenhitze.
Die handwerke, welche einige von ihnen erlernen
müssen, sind das eisenschmiden, die schreinery, das trechslen,
die weberey, scheidery und gerberey. Jedes handwerk so viel als
möglich, und der meister, der Missionarius selbst kann.
Die schneiderei geht nicht stark, denn ihr
kleidung ist nur ein hemdt oder ein stük grobe leinwand von
wilder baumwoll. Nun gibt es in denen Missionen allerlei Webstühl
und die weiber stellen den faden aus baumwolle her.
Obwohlen diese Indianer von einer Gottheit
nichts wissen, so ist doch unleugbahr, das auch unterwilden und
viehischen menschen zu finden sind welche, die nicht anfangen innere
schamhaftigkeit zu spühren, bei einer üble that und denen
nicht ihr eigenes Gewissen dieUnbilligkeit solcher Tat vorhalte.
Weil diese völker wegen ihrer unordentlichen
und barbarischen weise zu leben in der wildniss anfänglich
unfähig sind einen vernunftschluß zu begreiffen, so muss
man bei ihnen andere Mittel anwenden, um erkenntnis, verehrung und
Gottesfurcht einzupflanzen, nämlich durch äusserliche
sachen welche in die augen fallen, mit ohren zu hören, oder
mit händen zu greifen sind, biß sich ihre vernunft nach
und nach mehret.
Täglich wird das volk in der frühe
mit dem glokenzeicken gerufen. Alle erscheinen nun ganz ehrbar bedekt,
keiner mit farben bestrichen oder mit federn auf dem haupt. Obwohlen
sie sonst das haar zur arbeit binden, lösen sie dasselbige
zuvor auf sobald sie nahe zur Kirche kommen. Das ist bey ihnen ein
Zeichen ihrer ehrfurcht.
Die Musik ist besser, als sich viele vorstellen
werden. In den Kirchen sind gute orglen, bis-weilen 2. in einer,
dazu bassgeigen, Violonchello 3. oder 4., fierzehen und mehr Violinen,
auch Harpfen, Flöten und Trompeten Die 4. ordinarisingstimmen
sind gut besezt. Von den predigen ist dieses noch zu melden, das
die hauptleute der Indianer bey anfang der nacht, da jederman zu
haus ruhig ist, an den Eken der Gassen mit lauter stimme die predigt
widerholt, und die wichtigsten punkten aufs neue allen mit grossem
nachtruk anbefehlen.
lhre hauptleute sind schon gestandne männer
und rechte menschen. Diesen pflegen die Missionarii noch mehre Ansehn
zu verschaffen, theils durch einen höheren sitz in der kirche
und auch durch einen stab, den ein jeder Capitan in der hand bey
allen versamlungen traget, und den er sehr hoch schäzet.
Da die äItere und ansehentlicheren
sich wohl aufführen, ziehen sie die übrigen nach sich.
Die straffen sind dreyerley, alle soldatisch,
nemlich prügel, kerker und verweisung. Wenn der Capitan etwas
strafmässig weiss, offenbahrt er solches dem Missionario; er
bringt dien schuldigen, nicht selten sogar um mitternacht wenn sie
fIucht fürchten. Da wird die Tat gleich erleutert, die straff
taxiret und ausgetheilet. Auf solche weis wird die ganze völkerschaft
im guten erhalten. Die schon Christen sind werden in erbaulichen
Sitten standhafter, und die ungläubigen neulinge unterlassen
durch der anderen gutes Beispiel nach und nach ihr barbarisches
und viehisches leben, und nehmen das Christliche an. Dies ist das
ziehl und End aller beschwerniss, aller reisen, mühe und arbeit,
auch aller mitel die man ausdenkt, gebraucht und anwendet. Und wer
kann zweifeln, das diese Indianer und neue Christen durch solche
lebensarth den himmel mit vielen alten und erzogenen Christen teilen
und in grosser menge bevölkeren werden?
Wenn auch der Ort keine Wildnis ist, so
kann doch die Art zu leben von dieser Gattung sein, das man in Europa
dann und wann barbarisches und viehisches Leben antreffen kann ohne
über das Meer zu reisen.
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